Fazit EM 2016 (Frankreich)

EM 2016: Über 4 Wochen EM-Trubel mit 51 Spielen gehen zu Ende und eines steht auf jeden Fall fest: Es gibt Gesprächsbedarf und das nicht zu knapp. Wir haben einen Europameister gekürt, der ohne den neuen Turniermodus als Dritter seiner Gruppe ausgeschieden wäre. Der von 7 Spielen nur eines innerhalb von 90 Minuten gewinnen konnte.

Betrachtet man das Halbfinale und Finale, so ist der Titel in meinen Augen nicht unverdient. Alles in Ordnung. So ist Fussball, ein Ergebnissport. Aber die Gruppenphase war schon frech. Eine halbwegs gute Vorstellung gegen Ungarn, das ist eigentlich zu wenig, um in die K.O.-Phase zu kommen. Doch diesmal reichte es.

Kritik:

Grundsätzlich würde ich den aufgestockten Turniermodus nicht als misslungen betrachten. Die Aufstockung auf 24 Teams ist nicht das eigentliche Übel, sondern die Möglichkeit als Dritter der Gruppe weiterzukommen. Das hat zu noch mehr Taktik-Geplänkel, als eh schon bei solchen Turnieren vorhanden ist, geführt. Nur was wäre dann die Lösung? Etwa 32 Teams wie bei einer Weltmeisterschaft? Derzeit gehören 55 Landesverbände zur UEFA. Bedeutet bei 32 Teilnehmer einer EM-Endrunde würden mehr als 50% aller Mitglieder um den Titel spielen. Man hätte zwar das Problem mit den besten Gruppendritten gelöst, aber die Qualifikationsphase wäre dann wahrscheinlich ein taktisches Supergeplänkel. Hier müsste man sich was einfallen lassen.

Was aber viel gravierender auffällt ist die Belastung der Spieler. Viele Spieler aus den Top-Clubs der europäischen Ligen wirken angeschlagen oder überspielt. Selten sieht man die Genialität dieser Spieler aufblitzen. Ich denke Sportwissenschaftler und Trainer, welche die Überbelastung der Spieler anmahnen, liegen hier nicht ganz falsch. Es müssen wieder mehr Regenerationszeiten in die Spielpläne eingebaut werden.

Was wird uns in Erinnerung bleiben?

  • Mit Sicherheit Island und Wales. Sie stachen hervor. Gleich 2 Underdogs die zum ersten Mal bei einer Europameisterschaft dabei waren, traten mit großem Selbstbewusstsein auf und mischten das Teilnehmerfeld gehörig durch. Nicht zu Vergessen deren Fanlager, die eine große Euphorie über das Turnier brachten.
  • Belgier, welche den nächsten Schritt von einem Geheimfavoriten zu einer etablierten Mannschaft geschafft haben. Doch die Reife für einen Titel hatten sie noch nicht.
  • Italiener und Ungarn die durch eine geschlossene Mannschaftsleistung überraschten und sich jeweils als Gruppensieger für die K.O.-Runde qualifizierten.
  • Wenig Fehlentscheidungen und eine ingesamt sehr gute Schiedsrichterleistung. Kein Vergleich zur WM 2014.
  • Boatengs Rettungstat gegen die Ukraine

Tore die in Erinnerung bleiben werden:

  • Shaqiris Fallrückzieher gegen Polen
  • Ronaldos Hackentor gegen Ungarn
  • Hamsiks Traumschuß-Tor gegen Russland
  • Bales Freistoßtore
  • Nainggolans Traumschuß-Tore

Turnierbewertung (5,5):

Viele, viele und nochmal viele Spiele die im Mittelmaß versunken sind. Ein paar Spiele die einfach nur schlecht waren und ein paar Lichtblicke hat uns die EM 2016 beschert. Berücksichtigt man, das mittelmäßige Spiele für den neutralen Fan meistens pure Langeweile sind, bleibt als Fazit nur eins: Wir haben insgesamt eine sehr langweilige EM gesehen, die keine Werbung für den Fussballsport gemacht hat. Schade.

Stärksten Spiele:

England – Island (Achtelfinale EM 2016)
Ungarn – Belgien (Achtelfinale EM 2016)
Wales – Belgien (Viertelfinale EM 2016)
Ungarn – Portugal

Schwächsten Spiele:

Italien – Schweden
Polen – Portugal (Viertelfinale)

 

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